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Mascha Kaléko

 

 


 

Von klugen Embryonen und Schwänen, denen ihr Sterben schwant

 

Eigentlich beschäftigt man sich nicht so gerne mit den Themen, die uns die Dichterin Mascha Kaléko - vermittelt von Gerhild Bitzer und Uwe Neubauer - am 17.1.2009 im Café präsentierte. Oft ging es um den Tod mit seinen verschiedenen Facetten: Abschied ist Tod - wenn ein Mensch stirbt, läuft die Zeit für die anderen einfach weiter - der Tod nahe stehender Menschen schmerzt viel mehr als der eigene, denn "mit dem Tod der anderen muss man leben" - schließlich die Frage: "Was wird am Ende von mir übrig bleiben?"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die jüdisch-polnische Dichterin verarbeitete außerdem intensiv das Gefühl der Heimatlosigkeit, das ihr die durch den Nationalsozialismus aufgezwungene Emigration bescherte: "Wohin ich immer reise, ich fahr nach Nirgendland". Zum Thema Heimweh sagt sie: "Nur das Weh, das blieb, die Heimat ist fort." Wortspiele wie dies zeigen ihren virtuosen Umgang mit der Sprache. Wenn sie schildert, wie Touristen in der Hölle "im Schatten von Napalmen" liegen, wenn sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland 1956 schreibt: "Der Buchenwald blüht wieder friedlich" und damit den schnellen Übergang vom Nationalsozialismus in die Demokratie kritisiert, dann muss man zunächst innehalten, um die beißende Ironie zu begreifen.

Mascha Kaléko bezeichnete sich selbst als "klugen Embryo", weil sie viel zu spät geboren wurde und sich damit noch für eine Weile das Leben auf dieser Welt ersparte. Mit einigen autobiographischen Gedichten skizzierte sie die Stationen ihres Lebens - und das war wahrlich nicht leicht! Trotzdem schrieb sie auch heitere und humorvolle Gedichte: über den falschen Hasen auf der Speisekarte, der sich Proteste zuzog, weil der das Wort "falsch" aus seinem Namen strich, oder ihr Gedicht über das so genannte Glück, in dem sie sich über viele Kleinigkeiten freut - bis hin zur Freude darüber, dass sie sich freuen kann.

 

 

Ganz aktuell mutete es an, als sie von den Kassenpatienten sprach, die sich als bloße Nummer fühlen; von Hungerlöhnen und trockenem Brot könnte man im Jahr 2009 schreiben, wenn man an die durch Niedriglöhne und Hartz IV entstehende Armut denkt. Wenn "Damen unter sich" sind und "eine Hyäne die andere trifft", dann können auch heute Neid und Gedanken an die Vergänglichkeit aufkommen.

Alle diese Gedichte und dazu kurze, prägnante Informationen über das Leben Mascha Kalékos präsentierte uns professionell Rezitator Uwe Neubauer, der inzwischen im Café ein bekannter und gern gesehener Gast ist. Sein ausdrucksstarker Vortrag wurde geradezu ideal ergänzt von Gerhild Bitzer, die einige Gedichte vertont hat und ihren Gesang selbst am Klavier begleitete. Die Aussage der Gedichte wurde dadurch geschickt untermalt und verstärkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein erfreulicher Auftakt für unsere Café-Arbeit 2009 mit einem gekonnt präsentierten Programm, das bei den vielen Gästen einen tiefen Eindruck hinterlassen haben dürfte!

 

Text: Karin Weishaupt
Fotos: Monika Bahne

 

 
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